Wir gegen uns. Sport im geteilten Deutschland

geposted von julian
09.12.2009 10:30
Das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig zeigt im Jubiläumsjahr der Wiedervereinigung die Ausstellung "Wir gegen uns" und beleuchtet den "Kampf der Systeme" auf sportlicher Ebene.

  Diese Tafel sollte die DDR-Athleten im Leistungszentrum in Kienbaum bei Berlin vor den Olympischen Spielen 1980 motivieren. © Punctum/Bertram Kober
Die Tartanbahn, die den Besucher in die Ausstellung lenkt, soll keineswegs dazu anregen, loszueilen. Vielmehr ist sie die Wegmarke, der Start in die Aufarbeitung deutsch-deutscher Sportgeschichte. Auf rund 600 m² zeigt das Stadtgeschichtliche Forum Leipzig bis Anfang April Meilensteine der ost- und westdeutschen Sportgeschichte und versucht, die Bedeutung des Sports im Wettkampf der Systeme zu vermitteln.
Der Sport, und das wird schnell deutlich, reflektiert in jenen Jahren die politischen Stimmungen oftmals eindeutiger als politische Reden oder Zitate. Der Sport ist greifbarer durch das kollektive Erinnern der Erfolge, aber auch durch die persönlichen Erinnerungen, die der Besucher mit den Ereignissen verbindet und mit denen sie die Ausstellung besuchen.


  Oral-Turinabol: Das am häufigsten verwendete Dopingmittel im DDR-Leistungssport © Punctum/Bertram Kober


Sehr eindringlich, gerade weil hier in einem steril wirkenden Behandlungszimmer mit weißen Fliesen und kaltem Licht nüchtern präsentiert wird, stehen Dopingpräparate in Verbindung zu den Schicksalen derer, die sie verwendeten, als eindringliches Zeugnis von perfiden Methoden im Sport, um den Wettstreit - stellvertretend für die vermeintlich politische Überlegenheit - zu beeinflussen. Auf Kosten der Gesundheit und des Lebens der Sportler.
Das Thema Doping bereits früh in der Raumsstruktur aufzugreifen, brennt es dem Besucher ein und schickt ihn mit dieser Information durch die weiteren Ausstellungseinheiten.
Die Verbindung von Sport und Politik ist beim Thema Doping besonders erschreckend. An anderen Stellen wirkt diese Verbindung aber auch amüsant. Beispielsweise wenn Jens Weißflog, Kristin Otto oder Kati Witt unsicher Lobeshymnen auf die DDR ablesen und zu "Repräsentanten" der DDR werden. Gewollt oder ungewollt.


  Badehose und Schwimmflossen erinnern an Axel Mitbauers dramatische Flucht 1969 über die Ostsee. © Punctum/Bertram Kober


Der Reisepass, mit dem Jörg Berger nach Westdeutschland flüchtete und seine Stasi-Akte oder die bis heute ungeklärten Umstände des Todes von Lutz Eigendorf und der vielleicht als Beweis zu deutende Vermerk in den Stasi-Unterlagen, wo vom "Verblitzen" Eigendorfs die Rede ist (Eigendorf starb an den Folgen eines mysteriösen Autounfalls. Berichten nach wurde er geblendet und prallte darauf hin gegen einen Baum). Die persönliche Erinnerungsstücke, wie die Schwimmflossen Axel Mitbauers, mit denen der DDR-Athlet durch die Ostsee in die Freiheit schwamm, machen deutlich, welches Risiko Menschen eingingen zu fliehen. Diese persönlichen Stücke sind die anschaulichsten und greifbarsten Objekte, die lebendiges Zeugnis der Geschichte werden.

Vermissen lässt die Ausstellung den Dialog zwischen dem "Wir" und dem "uns", denn die Einheit, die der Titel suggerriert, war ja keinesfalls gegeben. So bleiben das Sparwassertor und die Geschichte um den Mittelstreckler Jürgen May doch recht freistehend zwischen der gelungenen Ansammlung historischer Ereignisse.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. April 2010 im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig zu sehen.
Dienstag – Freitag: 9:00 – 18:00 Uhr
Samstag/Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr
Der Eintritt ist frei

  Ausstellungsplakat "Wir gegen uns. Sport im geteilten Deutschland"


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Kommentare

23.12.2009 10:17
weber
werde mir die ausstellung mal ansehen, klingt ja spannend.