Hellas - Der Heldentaten Erster Teil

geposted von artifarti
27.04.2010 17:00
Griechenland ist in der öffentlichen Debatte mittlerweile zum Inbegriff der Misswirtschaft und der Schuld an sich geworden. Schuld/Schulden als ein Phänomen, das nur virtuell existiert und das nur dank Software in Form von Zahlen und Charts sichtbar gemacht werden kann, wird zum Prüfstein gemacht, an dem sich die europäische Identität Griechenlands zu messen habe.
artifarti möchte in diesen schweren Zeiten den Griechen helfen: doch nicht mit teuren Krediten, sondern kraft einer Poesie, die keine Zinsen fordert ...


 
Unsere Autoren ole und julianlange haben vor zwei Jahren Griechenland bereist. julianlange goss ihre Erlebnisse in ein homerisches Epos, das dem Land in Verbund mit den Aufnahmen von ole ein würdiges Denkmal setzt.
Die literarische Reise über das griechische Festland beginnt heute mit den ersten 4 von insgesamt 12 1/2 Gesängen, die uns in eine Welt der Helden und Götter, Arbeiten und Feste, Siege und Niederlagen führen und ein Bild von Griechenland entwerfen, das sich ganz den kulturellen Schulden und Anleihen verpflichtet fühlt, die die westliche Welt gegenüber den Griechen hat.


HELLAS - DER HELDENTATEN ERSTER TEIL

1. Gesang

O Muse, wache nun und berichtige mich,
wenn ich singe von der Helden Taten,
die da begangen wurden in den felsigen Höhen,
den arkadischen, unter der Eos, der warm züngelnden.
Vor allen Demeter, Gebieterin,
gebärend den Reichtum und den Überfluss,
stehe bei mit Weizen und Mohn,
dass nicht versiege die Fruchtbarkeit des Geistes.
Begleite mich, Kalliope, mit der Leier,
der ernsten, getragenen, da ich erzählen will
von Kämpfen, männermordenden,
von den Ränken der Olympier, in ewigem Zwiste,
von Gelagen, bacchantischen und von frischer Quelle Labsal.
Thalia und Melpomene vereinigt eure Küsse,
die göttlichen, selten genossenen nun auf die feurigen Wangen
eures inbrünstigen Erzählers, da ich anhebe
zu singen von den Taten dreier Helden,
die ganz dem Maße der Ahnen entsprechen
Sebastian, der luftumwehte, geflügelte Spross des Helios,
den er zeugte zum Ruhme seines ganzen Geschlechtes.
Ole, Sohn des Albrecht, der listenreiche,
der die hohe Kunst der Erato als der Polyhymnia zu beherrschen weiß.
Julian, der Spross des Zeus, den er zeugte im Dreigestirn mit Klio und Enterpe.



 

2. Gesang

Auf Adelers Fittichen getragen, den stählernen,
umgürtet mit Schmuck und Rüstung, golddurchwirkt,
gefertigt unter den Schlägen der Hammer, den dröhnenden, des Hephaistos,
verbracht aus den dunklen Feuerhöhlen,
durch Pallas Athene mit feuchten Augen.
Also gerüstet und erzumwehrt besuchten unsere Helden
die Feste, die makedonische an den ägäischen Gestaden,
genannt Thessaloniki, die brausende, tönende.
Als geendigt hatten das Spiel der Leier und
Der zarte Gesang wohlgestalteter Rhapsoden,
als gestärkt die Körper, die stählernen
mit funkelndem Wein, dem honigsüßen
und den besten Stücken des Stieres (den Göttern geweiht),
den doppelt mit Fett umwickelten,
spendeten die Heroen Zeus dem ägishaltenden und
baten um kraftspendenden Ambrosia die Olympier.
Da erschien ein Adler mit breiten Schwingen,
der trug einen Schwan in seinen Klauen, sanft
und flog nach Süden, der Eos zu, der golden thronenden.
Dies göttliche Zeichen aber erkannten die Helden,
verließen die Feste, die mauernumschlossene,
zu gedenken der Ahnen, der lange verstorbenen.
An den Hügeln der Manen bei Vergina
da einst die Totenwache gehalten wurde
für Philipp II., den kampfbewährten König der Makedonier,
der zeugte Alexandros, den Weltenbesieger.
So standen unsere Helden in den Feldern,
den von der Eos' warmen Fingern durchstrahlten und
gedachten der Feierlichkeit vor Zeiten,
gehalten nach den Riten, die bereits befolgte
Achilles, der Peleide, in tiefer Trauer
um Patroklos, den jungen Freund und Gefährten,
der gestorben, obgleich doch mehr als wir,
an Kraft und Menschlichkeit.
Hingemordet in den Waffen des Bewunderten,
dessen Zorn vertrieben wurde vom Leid, dem schweren.
Und zu den Lanzen, den eschenen griff Achilles
sich hinzugeben dem männermordenden Ares
und vielen berühmten Kriegern löste er da die Glieder.
Die Götter wollten, dass ihm erliege Hektor, der glorreiche,
nach langem zehrendem Kampfe.



 

3. Gesang

Folgend der Mission, der göttlichen,
die verfügt der Kronide von seinem Thron,
dem felsigen, gewaltigen,
brachen auf Sebastian, der luftumwehte Heliossohn,
Ole der listenreiche, Liebling der schönen Musen
und Julian, Zeus an Einsicht gleichend.
Hin zu den Gipfeln des Olympos trieb
sie göttlicher Wille, über Stein und Fels,
geschaffen für den Aufstieg von Göttern,
unvergleichlichen.
Kraft ohn' Maß und Grenze verlieh ihnen
Mit strahlenden Augen Pallas Athene und
so bezwangen die Helden, von denen ich singe,
die Spitzen der Olympier Statt, der sturmumwehten,
in der Zeit, in der zweimal verschwindet im Meer
die rosenfingrige Eos, Schwester der Selene.
Sie sahen hinab in das Land, das flache,
genannt Thessalia, kriegsbewährt und ruhmerfahren,
gleich Zeus, dem Kronos-Töter, der
eindrucksvoll thront und schleudert seiner Blitze Gewalt
in die Ebene.
Sie verweilten auf dem Plateau der Musen, der neun,
die Schöpferkraft und Muße bereit halten
für Handwerker und Künstler;
für den Dichter mit der Feder,
der sagen kann:
„Bin die Verschwendung; Bin die Poesie“,
wie für den Hauer mit dem Meißel, dem eisernen,
der gestaltet den harten Stein und
wo er ins Leben greift,
da ist es gut.


 

4. Gesang

Wer, wenn ich sänge, hörte mich denn,
aus der Olympier Ordnungen,
wenn ich anstimme mein Lob,
und gesetzt selbst, es nähme mich plötzlich
Einer an sein Herz, ich verginge
an seinem stärkeren Dasein und müsste klagen:
„Pflanz mich nicht in dein Herz,
ich wüchse zu schnell“.
Wüchse, gleich den schwellenden Bächen,
wenn abzieht des Winters erstarrter Odem
und die Wipfel, vom Eise befreit,
senden ihre kühle Last in die Senken,
wo es zur Labsal, der erfrischenden, wird
unseren Helden, die da ruhen
unter grünem Gezweig,
das Wasser genießend, wie Ambrosia,
den göttlichen Nektar, den einst die Tauben brachten.
Denn dazu schickte es Poseidon, der Erdenerschütterer,
hinauf in den ewigwährenden Kreislauf,
von den Meeren, den schäumenden,
zu den getürmten Wolken, von denen
es sich ergießt, zu erquicken Natur wie Menschen.
So schläft auch hier ein Lied in allen Dingen.



Fortsetzung folgt.
Der Heldentaten Zweiter Teil gibt es [hier].


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