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I don't know why I write this shit. I just do.
16.09.2010 10:10
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Montagabend in Köln. Das King Georg ist brechend voll, mittendrin eine kleine Empore. Mikrophon, Stuhl, Gitarre. Und dann: Damien Jurado. Mit ein paar zerfledderten Blättern in der Hand (später dann auf dem Gitarrenkoffer): „I can’t remember my lyrics.“ Aber erstmal fängt er an zu spielen, keine Worte. Nur der Mann, mit diesem Körper, der bis in die Fingerspitzen zu weich zu sein scheint. Vollkommen in sich versunken, in diese Musik voller Schmerz, Melancholie, nur aufgehoben in der Leere. Und dann, als er eine kurze Ansage macht, sich vorstellt, „from Seattle, Washington – has anyone ever been there?“, eine Frau von ganz hinten, unsichtbar: „Yeah, I’ve been there.“ Mit lupenreinem amerikanischen Akzent. Sein Gesicht öffnet sich von einem Moment auf den anderen. „Are you from America? Wow, it’s good to hear an american accent. Keep talking for a while.“ Und so kommt es, dass nicht nur sie für eine Weile weiterredet, sondern auch Damien Jurado den ganzen Abend über sehr gesprächig ist. Was er nach eigener Aussage eigentlich nie sei. Denn schließlich sei er die ganze Zeit damit beschäftigt, sich auf sein Set zu konzentrieren und sich gleichzeitig nicht darauf zu konzentrieren. (Beim letzten Song zum Beispiel, da habe er an das Football-Spiel letzte Nacht gedacht.) Er finde es selbst lächerlich, aber seine Texte würden ihn zum Weinen bringen, wenn er nicht aufpasst. Denn – seine Theorie – Songs sind etwas, das außerhalb der Menschen existiert und wenn man Glück hat, kann man einen fangen. Und der führt dann beständig ein Eigenleben. Womit er natürlich nichts anderes meint, als den toten Autor. Und doch: Dieser Gedanke ist keine erlesener, sondern ein erlebter. Die Inhalte seiner Musik hätten wenig mit seiner Realität zu tun, er sei ein sehr glücklicher Mensch, „pretty normal“, mit Familie und allem, was man eben so hat. Und ohnehin, die ganze Tour: Eine Art fortgesetzter Honeymoon mit seiner Frau.
Also eigentlich alles bestens – und doch: Da ist es etwas, das (mit-)geteilt werden will, eine gespannte Intensität, die Damien Jurado ganz am Ende seines Konzerts auch versucht zu beschreiben damit, dass er seine Songs am liebsten in Stücke brechen würde, und jeder könnte eines mit heimnehmen. Und wenn man es braucht, dann setzt dieses Stück (literally) Musik genau das Gefühl wieder frei, das es beim Hören verursacht hat. Denn Erinnerungen sind eigentlich nichts „but some phantasies“. Ja, und genau nach der Geschichte spielt er den letzten Song, und genau von dem hätte ich dann wirklich gern ein Stück. Irgendwann bemerke ich mich mit offenem Mund da stehen, Tränen in den Augen und will so dringend in dieses Lied hineinsteigen, diese Musik sein, dieses Gefühl festhalten. Aber geht ja nicht. Körper bleibt Körper und Erinnerung etwas anderes. Aber schön war’s. Sehr sogar. Kommentieren |
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