Kultur im April in hundert Wörtern

geposted von artifarti
02.05.2011 18:30
Es war eine Hochzeit, die begeisterte! Der Mann: in schmucker Uniform, die Frau: im schlichten, aber schönen Kleid. Nur das Küssen, das muss das Brautpaar wohl noch üben. Am 29. April gaben sich Eva Braun und Adolf Hitler einst das Ja-Wort.
Und sonst so? Japan strahlt, Nato bombt, Gottschalk hört auf, bin Laden stirbt, und uns ist auch schon ganz schlecht. Wir kratzen unseren letzten Lebensmut zusammen - für 100 Wörter hat's gereicht.

 
ole
Belle & Sebastian in Hamburg

Wirklich cool waren Belle & Sebastian noch nie. Also cool im Sinne von Rockstar-cool. Dafür ist Stuart Murdoch einfach auch nicht cool genug. Was vielleicht eine Tautologie ist, und jetzt auch nicht so cool. Um zum Punkt zu kommen: Belle & Sebastian sind wohl eher Sleepyheads. Davon sangen sie ja schon auf dem famosen The Life Pursuit. Und das spürte man auch bei ihrem Hamburger Konzert. Ein gemütlicher Abend war es, mit vielen schönen Songs, am Ende durften sogar drei Fans auf der Bühne tanzen. Alles wie immer also bei Belle & Sebastian, die neuerdings auch über Liebe schreiben. Cool.


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ole
Napoleon in Bonn

Unter der Schirmherrschaft von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy besuchte Napoleon Bonaparte von Dezember bis April die Bundeskunsthalle in Bonn. Unter dem Titel »Napoleon und Europa – Traum und Trauma« versprach die Ausstellung einen umfassenden wie kritischen Blick auf die vielleicht größte Herrschergestalt der Moderne. So wurde Napoleons Leben nicht nur biographisch und politisch beleuchtet, sondern auch mit Blick auf das symbolische Phänomen »Europa«, das heutzutage fragiler als damals zu sein scheint. Der Kaiser, bei dessen Feldzügen einst Millionen Menschen auf den Schlachtfeldern Europas sterben mussten, zieht nun weiter, von Bonn nach Paris: 2013 gastiert die Ausstellung im Musée de l'Armée.


  Was hat dieses Bild jetzt mit der Napoleon-Ausstellung zu tun? Eigentlich sehr wenig. Trotzdem ganz interessant, oder?

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julianlange
Beobachtung

Stuttgart, wo auf den Bürgersteigen der Staub gesaugt wird. S-Bahn. Ein Obdachloser sitzt in einem Abteil. Ein Mann, Mitte Dreißig und in ordentlichem Hemd, steigt ein und setzt sich neben ihn. In den Händen hält er eine Broschüre mit der Aufschrift „Missionarische Nachrichten“. Nach der Lektüre einiger Zeilen über den barmherzigen Vater und guten Hirten bemerkt er den Sünder zu seiner Rechten. Die frohe Botschaft will ihm fortan sichtlich nicht mehr schmecken. Verstohlen erhebt er sich, sucht einen neuen Sitzplatz und liest fortan ungestört das erbauliche Gemeindeblatt.

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benjamin
Zeichnungen aus dem New Yorker MoMa im Berliner Martin-Gropius-Bau

Das Museum of Modern Art und die Metropole New York sind Abziehbilder Berliner Sehnsüchte – nach Relevanz und Weltrang. Nach sieben Jahren gastieren die New Yorker wieder in Berlin. Die Ausstellung »Kompass« zeigt 250 Werke aus der Judith Rothschild Foundation und damit lediglich ein BestOf jener 2.600 Werke, die in nur drei Jahren zusammengeklaubt wurden. Sie sollen einen umfassenden Überblick über die Zeichnung als künstlerisches Medium in all seinen materiellen Facetten geben. Marc Brandenburg, André Thomkins, Nick Mauss oder Marcel Odenbach stillen viele Sehnsüchte – nach Relevanz, New York, Berlin, Welt.

»Kompass«
Zeichnungen aus dem Museum of Modern Art New York
The Judith Rothschild Foundation Contemporary Drawings Collection

11. März bis 29. Mai 2011
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7 | Ecke Stresemannstr. 110
10963 Berlin
http://www.gropiusbau.de

André Thomkins
  André Thomkins

  , Swiss, 1930-1985 Untitled, 1965 Lackskin (enamel) on paper. The Museum of Modern Art. The Judith Rothschild Foundation Contemporary Drawings Collection Gift © 2011 André Thomkins / Artists Rights Society (ARS), New York / PROLITTERIS, Switzerland / VG Bild-Kunst, Bonn 2011

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ole
Dave Eggers in situ

Keine Kulturredaktion kam in den letzten Wochen umhin, Dave Eggers’ neues Buch Zeitoun zu besprechen, einen hochgelobten Roman über die Opfer des Hurricanes Katrina, der 2005 über New Orleans wütete. Zeit also, Eggers Debütroman zu lesen, das 2000 erschienene herzzerreißende Werk von umwerfender Genialität. So ausufernd und solipsistisch, wie schon der Buchtitel daherkommt, erzählt Eggers darin die autobiographisch gefärbte Geschichte zweier Brüder, die nach dem Krebstod ihrer Eltern plötzlich auf sich allein gestellt sind: Mithin ein Buch, das sich besonders dadurch auszeichnet, keine nur denkbare postmoderne Erzählfinesse auszulassen. Wer etwa Jonathan Safran Foers Romane mag, dem wird auch dies gefallen.


 

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clemens
Zusammen gegen die Ismen - Der blaue Reiter in der Albertina, Wien

Sie rückten das Geistige in den Mittelpunkt, liebten die Farbe blau und feierten das Exotendasein: 1911 entstand in München die Künstlervereinigung „Der blaue Reiter“. Ohne Manifest aber mit dem starken Willen, altbackene Akademie-Strukturen aufzubrechen, fanden sich Kandinsky, Marc, Macke und Co. für drei Jahre zusammen und propagierten in Frankreich, Deutschland und Russland das „Geistige in der Kunst“. Die Ausstellung in der Wiener Albertina widmet sich vor allem dem graphischen Oeuvre der Truppe, wobei sich die Zusammenarbeit mit dem Münchner Lenbachhaus positiv bemerkbar macht: die aufregenden Werke des psychoanalytischen Alfred Kubin treffen beispielsweise auf eine seltene Auswahl an Bildern von Kandinsky.

Noch bis zum 29. Mai hier

  Alfred Kubin, Selbstbetrachtung, 1901/1902 Albertina, Wien / VBK Wien, 2011

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ole
Elbow in Deutschland?

Erstaunlich, wie unbekannt Elbow hierzulande sind! Elbow? Ellenbogen? Ja, die Band um Frontmann Guy Garvey hat vor einigen Wochen ihr inzwischen fünftes Album veröffentlicht – und das fast abseits der musikalischen Öffentlichkeit. Dabei sind Elbow auf der Insel derzeit eine große Nummer, und das nicht erst seit Build a Rocket Boys, dem aktuellen Longplayer. Und das völlig zurecht. Man denke nur an Cast of Thousands (ein Wunder von einem Album!), die Leaders of the Free World oder an die preisgekrönte 2008er-LP The Seldom Seen Kid. England hat mit Elbow jedenfalls ein neues großes Ding aus Manchester. D’You Know What I Mean?


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benjamin
Klassentreffen der Post-Wende-Pioniere – »Berlin zeichnet!« in Osnabrück

»Kniet nieder, ihr Bauern, die Hauptstadt ist zu Gast,« bellen Fußballfans in Berlin und Düsseldorf. Im Fußball stets selbst Provinz, spielen beide Städte in der Kunst seit jeher international. Nun durften wir Landbewohner uns glücklich schätzen, dass Zeichnungen der ersten Post-Wende-Generation Berliner Künstler durch die Republik touren und von Dezember 2010 bis April 2011 in der Osnabrücker Kunsthalle Dominikanerkirche Halt machten. Wir knieten nieder: vor Yehudit Sasportas´ dornig-düsteren, gespiegelten Elegien, suchten in Deutschen Herbststürmen mit Brigitte Waldach (vergebens) nach Ruheoasen im urromantischen deutschen Wald, beklatschten Daniel Richter, Ralf Ziervogel, Jorinde Voigt und die erschreckend präzisen Bleistiftzeichnungen von Marc Brandenburg. Und fordern: Exkommuniziert die infantile Bildtyrannei eines Jonathan Meese.

Weitere Stationen sind aller Voraussicht nach: München, Kiel und Sindelfingen.

Jorinde Voigt, Interkontinental I
  Jorinde Voigt, Interkontinental I

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ole
Besser kann man es nicht sagen als in ...

David Foster Wallace: Ein stark verkürzter Abriss des postindustriellen Lebensstils

Als sie einander vorgestellt wurden, machte er eine witzige Bemerkung in der Hoffnung, damit gut anzukommen. Sie lachte nachhaltig in der Hoffnung, damit gut anzukommen. Später fuhren sie getrennt nach Hause, den Blick starr geradeaus gerichtet und mit demselben verkrampften Ausdruck im Gesicht.
Der Mann, der sie einander vorgestellt hatte, mochte eigentlich keinen von beiden besonders, tat jedoch so, weil er das gute Verhältnis nicht belasten wollte. Man konnte ja nie wissen, oder? Oder? Man konnte ja nie wissen.

(Aus: ders.: Kurze Interviews mit fiesen Männern. Stories. Rowohlt 2004, S. 11)

Kommentare

08.05.2012 23:09
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17.04.2012 23:14
Duke Abbey
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07.12.2011 05:32
STRICKLANDKaryn20
Buildings are quite expensive and not everyone is able to buy it. Nevertheless, business loans are created to aid different people in such kind of hard situations.
06.08.2011 13:24
AidaLINDSEY34
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