Kultur im Mai in hundert Wörtern

geposted von artifarti
02.06.2011 09:00
Erst ESC, dann EHEC, erst aserbaidschanische Schurken, dann spanische Gurken – oder doch nicht? Selten war ein Monat so unberechenbar wie dieser Mai. Doch glücklicherweise ist er dann nicht auch noch frühzeitig ausgestiegen. Sonst hätten wir einiges verpasst, was sich in diesem Mai 2011 noch ereignet hat. Was genau, das lest ihr wie gewohnt: in 100 geschliffenen Wörtern!

 
ole
Primavera Sound Festival #1

Wie jedes Jahr hatte das Primavera Sound Festival in Barcelona auch anno 2011 ein großartiges Line-Up aufzubieten. An fünf Tagen und auf mehr als zehn Bühnen, die teilweise direkt am Mittelmeerstrand liegen und in eine außergewöhnliche Architektur integriert sind, spielten am letzten Mai-Wochenende Bands wie Animal Collective, Sufjan Stevens, Fleet Foxes, James Blake, Caribou, The National, Flaming Lips und Belle & Sebastian vor zigtausenden Menschen und großartiger Kulisse. Doch am vielleicht schönsten war der Auftritt der amerikanischen Band Twin Shadow, dem definitiv nächsten großen Ding der Indie-Szene. Alles andere wäre nach ihrem Debütalbum Forget und ihrem mitreißenden Primavera-Gig eine Überraschung.


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ole
Gerhard Richter und die Unschärfe

Der Aufstieg eines neuen Mediums führt auch immer zur Krise der alten Medien. Das spürte im 19. und 20. Jahrhundert vor allem die Malerei, die mit den Techniken der Photographie zu kämpfen hatte. Die Bildende Kunst reagierte: mit impressionistischen, surrealistischen oder kubistischen Bildern. Im Falle Gerhard Richters, dessen Bilder in den letzten Wochen in gleich zwei Hamburger Ausstellungen zu sehen waren, muss man hinzufügen: mit »Unschärfe«. Was man von diesem ästhetischen Prinzip halten soll? Ein Besucher der Kunsthalle erklärt es: »So sieht meine Welt ohne Brille auch aus (-8,0). Bisher hat’s mich immer genervt. Jetzt weiß ich: es ist KUNST!«


  © Gerhard Richter: XL 513, 1964 - Museum Frieder Burda, Baden-Baden

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ole
Primavera Sound Festival #2

Zehn Jahre lang hörte man nichts von Pulp. Jarvis Cocker war auf Solopfaden unterwegs, auf denen ihm nur noch wenige Pulp-Fans folgen wollten. Der Rest der Band verschwand in der Versenkung. Bis, ja bis zum diesjährigen Primavera Sound. Am 28. Mai um 1.45 Uhr mitteleuropäischer Zeit war es dann soweit: Pulp betraten die Bühne, blickten auf tausende Fans und das in der Nacht liegende Meer. Und spielten ihre alten Songs, die unsereins nur aus den Indie-Clubs dieser Welt und YouTube-Videos kennt. Für Pulp-Fans ging an diesem Abend ein Traum in Erfüllung, alle anderen machen einen Haken an die ewige Live-To-See-Liste.



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ole
»May is the cruellest month« - der Dokumentarfilm Waste Land

Müll, soweit das Auge reicht, Gestank, wühlende Körper im Dreck. »Jardim Gramacho« liegt am Stadtrand von Rio de Janeiro und ist die größte Müllhalde der Welt. Die Regisseurin Lucy Walker hat einen Film über dieses wüste Land gedreht, der am 26. Mai in die deutschen Kinos kam. Sie begleitete den Künstler Vik Muniz, der mit den dort als menschliche Mülltrennungs-Maschinen schuftenden Arbeitern Kunstwerke aus Müll geschaffen hat. So ambitioniert und wohlwollend das alles gemeint war, so voyeuristisch und klischeehaft ist der Blick auf das Elend dieser Arbeiter, der uns hier aufgezwungen wird. Und Vik Muniz völlig grundlos als Heilsbringer inszeniert.



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ole
Primavera Sound Festival #3

Musik hin oder her, in Barcelona wird bekanntlich vor allem eines getan: Fußball gespielt. Und da seit nunmehr zwei Jahren das Champions League-Finale auf einen Samstag fällt, lief am Primavera-Samstag zumindest auf einer der Bühnen für fünf Stunden keine Musik – sondern Fußball: Barça gegen Manchester. Und so wie ganz Barcelona an diesem Wochenende in »Blaugrauna« getaucht war, so war auch der Festival-Strand gefüllt mit fanatischen Barça-Fans, die ein Spiel sahen, wie man es wohl nur einmal sieht. Messi, Xavi, Iniesta, Villa. Ohne Worte. Da vergaß man sogar den Auftritt des großen John Cale einige Stunden zuvor. Barça-ManU 3:1, Paris 19:19.


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ole
About Lahm

Dieser Mann ist und bleibt ein fürchterliches Missverständnis. Als Kapitän der beiden wichtigsten deutschen Sportmannschaften hat der Fußballer Philipp Lahm diesen Monat wieder einmal gezeigt, wie düster es um seine Geistesverfassung steht. Im Interview mit der Bunten hat Lahm schwule Fußballkollegen tatsächlich davor gewarnt, sich öffentlich zu outen. Das steht nicht nur im krassen Widerspruch zum Credo des DFB, der Homosexualität endlich auch im Fußball zu einer normalen Nebensache etablieren will, sondern zeigt vor allem, was für ein peinlicher Duckmäuser Lahm ist. Aber wen wundert’s? Lahm ist schließlich auch prominente Werbefigur der menschenverachtenden BILD (die ja bekanntlich keine Zeitung ist).


  Der Vorzeige-Hetero Philipp Lahm. Hier samt Braut.

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benjamin
Neu an der Londoner Schule: Zoo Kid

Nun bekommen auch die apokalyptischen Trendreiter und Anhänger des postmodernen Eskapismus-Pop der XX-Schule ihren Nachwuchs. Archy Marshall ist 16 Jahre alt, verzückt als Zoo Kid Londons Feiergemeinde, YouTubes Nutzergemeinde und seine Musik verschlägt der freien Redaktionsgemeinde des SZ-Magazins derart die Sprache, dass kein Einordnungsversuch zu bizarr erscheint. Dabei ist sie ganz einfach gestrickt: er zupft die Gitarre und spricht mit kehligem Timbre seine Texte über Mädchen und die bittersüßen Sorgen eines Heranwachsenden. Also doch ein »durchschnittlicher Boy«, gesegnet mit musikalischem Talent? Fast: »Viel zu rot« seien die Haare Marshalls (SZ-Magazin). »Dieser Hexer!« staunen wir - geschichtsbewusst - über Marshalls Songs.


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clemens
ÖH-Wahlen in Wien, oder: Bier und Spritzer solange der Vorrat reicht


 
„Wenn sie diese Plakate sehen – eigentlich müssten sie die doch alle verprügeln!“ Diese Aussage steht nicht im Raum, sie zirkuliert. Das muss man erstmal sacken lassen, weiß nicht wohin mit sich, obgleich schon das Pausenbrot ruft. „Wie viel Aggression in dem Wort ‚quälen’ steckt, die Anführungszeichen um ‚Linke’ wissen es noch zu überbieten. Es heißt nicht Die Linken, sondern ‚Linke’. Pure Stigmatisierung.“ Aus dem Ring Freiheitlicher Studenten rekrutiert sich übrigens die FPÖ, in Fragen der Beliebtheit zeitweise stärkste Partei Österreichs und in der Frage nach der Ehrenbürgerschaft Hitlers in Amstetten eher enthaltsam. Wir schließen mit einem: „und das soll ein Rechtsstaat sein“.

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ole
Michel Foucault über den Fluch der Karibik 4 – Fremde Gezeiten

»Und bedenkt man, dass Schiffe, die großen Schiffe des 19. Jahrhunderts, ein Stück schwimmender Raum sind, Orte ohne Ort, ganz auf sich selbst angewiesen, in sich geschlossen und zugleich dem endlosen Meer ausgeliefert […], dann wird deutlich, warum das Schiff für unsere Zivilisation […] nicht nur das wichtigste Instrument zur wirtschaftlichen Entwicklung gewesen ist, sondern auch das größte Reservoir für die Fantasie. Zivilisationen, die keine Schiffe besitzen, sind wie Kinder, deren Eltern kein Ehebett haben, auf dem sie spielen können. Dann versiegen ihre Träume. An die Stelle des Abenteuers tritt dort die Bespitzelung und an die Stelle der glanzvollen Freibeuter die häßliche Polizei.«

Kommentare

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