Kultur im Juli in hundert Wörtern

geposted von artifarti
04.08.2010 13:00
Wie findet Roger Willemsen eigentlich artifarti? Wer traut sich nach Moby noch, ein Lied Porcelain zu nennen? Was verbindet Giorgio Agamben und Gloria Gaynor? Und lebt Joseph Beuys eigentlich noch, und wenn nein, wo?
Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt es wie gewohnt - in 100 Wörtern!


 
ole
Roger Willemsen erklärt uns in 100 Wörtern, warum artifarti viel zu selten neue Artikel veröffentlicht:

»Das Schreiben bietet die beste Möglichkeit, sich der eigenen Dummheit zu vergewissern. Dauernd stößt der Schreibende auf Dinge, die er nicht sein, nicht sehen, nicht auf den Begriff bringen kann. Es gibt einen Moment des Erwachens in dieser Erfahrung, den Augenblick, in dem sich der Schreibende seines Scheiterns vergewissert und vom missglückten Satz zum schadhaften Werk, zur mangelhaften Person, zum nicht geführten Leben kommt. Der Schreibfehler ist darin etwas wie der symbolische Statthalter für das Misslingen im Ganzen. Das Versagen greift in die Speichen des Werks – als wolle ein Text etwas herstellen, wo schließlich eine Wunde klafft, ein Makel entsteht […]«

(Roger Willemsen: Der Knacks. Fischer: Frankfurt a.M. 2010, S. 187)

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clemens
KRAKÓW LOVES ADANA

Der Musiktipp dieses Monats kommt aus dem Hause Clouds Hill Recordings/Snowhite. Deniz Cicek und Robert Heitmann von Krakow Loves Adana machen ehrliche Musik mit Gesang und Gitarre. Nur da und dort klingt ein Klavier, schleichen Trommeln - in ihrem Minimalismus bleiben die Freiburger ganz der schwarzweiß-Ästhetik verhaftet. Songs wie das großartige Cold and Closed oder die Single Porcelain weisen der Ohrmuschel den Weg zur Entschleunigung. Ciceks tiefer Stimme und der (keep-it-simple-)Produktion ist es zu verdanken, dass das Debütalbum wirklich ein Beauty ist. Ab September auf Tour durch Deutschland und dann sogar in Farbe. Ganz schön schön.



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ole
Der Zeuge

Giorgio Agamben sagt, nach Auschwitz ist der Mensch nur noch »Nicht-Mensch, wirklich Mensch ist derjenige, dessen Menschsein vollständig zerstört wurde.« Das klingt paradox. Ist es auch. Adolek Kohn ist inzwischen 89 Jahre alt. Auschwitz hat er überlebt. Und tanzt und singt mit seinen Enkeln an jenem Ort, an den er einst kam, um vernichtet zu werden. Nun sagt er uns: »I Will Survive«. Agamben sagt auch, dass man nur Mensch ist, wenn man »den Menschen überlebt.« Klingt paradox. Ist es auch. Mehr kann man darüber nicht sagen, nur anschauen sollte man es sich. Nicht wegen der Musik. Wegen des Menschen.



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clemens
Die Kunstsammlung NRW

Düsseldorf gleicht zur Zeit einer einzigen Baustelle. Da ist es gut, dass zumindest das K20 sein umbauendes Dasein beenden und seine Wiedereröffnung feiern konnte. Wer es nicht zu Kris Martins begehbarem Heißluftballon T.Y.F.F.S.H schafft (bis zum 8. August), der darf sich auf einen weiteren echten Knaller freuen: Die Ausstellung "Joseph Beuys. Parallelprozesse" verspricht ab dem 11.9. "soziale Plastik" des Düsseldorfer Professors. Wer danach noch nicht genug hat, fährt umsonst mit dem Shuttlebus zur Ausstellung des K21 im Ständehaus. Oder man trinkt Vino im neuen Café des K20. Mit schöner Glasfront und Blick auf - natürlich - eine Baustelle.


  Keine heiße Luft, sondern begehbare Kunst

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