die macht der nacht

geposted von jule
12.07.2009 00:54
revolution auf dancefloor nr. 2!
wie unter wasser hört man die lautsprecherstimmen, dumpf und unbestimmt. sirenenlicht in regenbogenfarben. schallwellen umwabern die bebenden fleischklumpen. es wird das partygesicht auf- und sich für die eigenen interessen eingesetzt. gegeneinander. miteinander. ineinander. alle halten zusammen und sich aneinander fest.
gekonnt individuell und unabhängig ist man teil der gemeinschaft. in gesellschaft gegen die gesellschaft. plakate gibt es nicht, nur transparente. transparente t-shirts, auf denen jeder seine eigene botschaft trägt. "hier könnte ihre werbung stehen". tut sie auch, aber wer sich zu sehr anbietet verringert schnell die nachfrage. und da soll noch einer sagen, es werde zu wenig demonstriert. hier demonstriert jeder. wer er sein will und was er zu können glaubt. endlich mal wieder eine massenbewegung, doch es geht niemand voran, nur alle hinterher. das tanzen gleicht epileptischen anfällen. ein krampfhaftes zucken, welches vermuten lässt, dass die befriedigung des geschlechtstriebes am ende der nacht die einzige erlösung für den gequälten körper der torkelnden männlichkeit und die auflösung des sitzstreikes seines weibchens darstellen kann.
ziel der veranstaltung: alle auf einen - eine für alle. hauptsache tumult und too much und jeder hat am vernarbten sonntag was zu erzählen. es ist doch alles nur mittel zum zweck. die verantwortung wird wieder abgegeben und das essentielle wird übersehen. nein, es wird nicht übersehen. es ist nicht teil des systems. das, wogegen sich hier alle aufzulehnen vorgeben, weswegen sie sich an ihren nachbarn anlehnen und ihre kleidung ablegen, ist kein teil dieser ebene. das sprudeln des bieres, die energie, die im wodka-gemisch aufgenommen wird, wird niemals in den permanenten entscheidungsprozess, den mancher kleingeist als "leben" zu bezeichnen wagt, getragen und womöglich genutzt, um etwas zu verändern oder überhaupt etwas zu wollen.
partysahne statt partisane, denn es reicht ja normal auch die lähmende antihaltung gegenüber allem, was erfolg hat.
krieg im club und lethargie im leben. euch fehlt die ironie, ihr loser.


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