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Kultur im August in hundert Wörtern
03.09.2010 11:10
artifarti ist schwer beschäftigt! artifarti hat den Newcomer 2011 ausfindig gemacht, ist mit Tyrone Slothrop in den Urlaub gefahren, hat den Film "Queen of Jerusalem" gesehen, trauert um die Trauer um Christoph Schlingensief, hat Assaf Gavron gelesen - und das alles in sage und schreibe 100 Wörtern!
clemensThe KDMS - High Wire Die Münchner Gomma-Gang um MUNK und TELONIUS schlägt mal wieder zu: Erschienen am 13. August, heizt die High Wire-Maxi von The KDMS mächtig ein. 80 Sekunden sind vom Kool Dj Dust Remix gespielt, die Vocals verstummen, das rotierende Tanzbein gerät außer Kontrolle. Kathy Diamond aus London und Max Skiba aus Polen haben sich für The KDMS zusammengetan und versetzten die Diskolandschaft schon mit ihrer ersten Single “Never Stop Believing“ in Aufruhr. „German DFA“ sagt der NME über Gomma, wir sagen: Wer auf The KDMS als Newcomer des Jahres 2011 wettet, kann bei den Buchmachern schon nicht mehr viel Geld verdienen. _______ ole Zugegeben: Christoph Schlingensief hat weit mehr als 100 Wörter verdient … … und doch kommen vielen derzeit die Worte der Trauer allzu leicht über die Lippen. Ein großer Künstler wird da allerorts zu Grabe getragen, ein Vorbild, ein Genie, ein Provokateur, ein Messias, der (das ist wohl das Fatum eines Messias) erst sterben muss, um geliebt zu werden. Nun starb Schlingensief schon seit zwei Jahren in aller Öffentlichkeit. Diese interessierte sich sowieso weniger für seine Kunst (oder wer von all denen, die nun aller Welt ihre große Bestürzung kundtun, hat je eine Schlingensief-Oper gesehen, eine seiner Ausstellungen besucht, Geld für das Operndorf in Burkina Faso gespendet?), als vielmehr dafür, ihm noch in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Preise zu überreichen. Heiß ersehnt wurde das Datum jenes Tages, an dem all die längst geschriebenen Nekrologe aus den Archiven gekramt werden können. Der 21. August 2010 hat ihnen nun diesen Gefallen getan. Scheiße. _______ julianlange Jerusalem ist alt. Je tiefer man buddelt umso älter. Klar, dass ist erstmal überall auf der Welt so, nur dass man in Jerusalem auch noch was findet, ziemlich egal, wie tief man buddelt. Der Königin der Buddler in Israel wird in Dani Dothans Porträtdokumentation "Queen of Jerusalem" ein echtes Denkmal gesetzt. Der Avantgardekünstler der wilden Tel Aviver Jahre betrachtet dabei nicht nur das Leben seiner Mutter, sondern rekonstruiert auch das Leben des Vaters, seiner selbst („der böse Sohn“) und der vielen Freunde der Familie (Else Lasker-Schüler!). Wie liebevoll das ist, begreift man, wenn am Ende des Film dieses Lied erklingt: _______ ole Im Urlaub mit Tyrone Slothrop Vielleicht zwei Dutzend Bücher gibt es, an denen man als Literaturinteressierter einfach nicht vorbei kommt: seien es Hamsuns Mysterien (weil es Roger Willemsens Lieblingsbuch ist), sei es Conrads Herz der Finsternis (um Coppolas Apocalpyse Now zu verstehen), seien es Die Enden der Parabel von Thomas Pynchon (weil es Die Enden der Parabel von Thomas Pynchon sind). Noch 37 Jahre nach seinem Erscheinen – und man kann nur erahnen, was dieser monströse Roman, der keiner ist, damals, im Jahr von Watergate und Pinochet, auslöste – ist man erschüttert von diesen knapp 1200 Seiten, die alles sind, nur keine Strandlektüre. »Und jetzt alle –«.
_______ julianlange Assaf Gavron: "Ein schönes Attentat" Dieses Buch ist witzig, spannend, komplex, anspruchsvoll, lesbar, wichtig, politisch, angenehm, moralisch, erhellend, 2008 auf Deutsch erschienen, multikulturell, grün, politisch inkorrekt, großes Tennis, rasant, tragikomisch, menschlich, optimistisch, verblüffend, manchmal etwas konstruiert, humorvoll, nicht unbedingt weltliterarisch bedeutend, dafür mit abstrusen Details versehen, übersetzt von Barbara Linner, originell, konsequent, geeignet zur S-Bahn-Lektüre, unterhaltsam, gedankenanregend, reiselustweckend, kultiviert, offenherzig, interessant, macht Lust auf mehr, besitzt seltsame Figuren, packend, lässig, wird von Frank-Walter Steinmeier und Julian Lange geschätzt, hält, was der Klappentext verspricht, ein Lichtblick, nachahmenswert, lustvoll, lebhaft, leichte Kost, lebensbejahend, lauthals wie auch still, kunterbunt, nutzbringend, gut, lesenswert und erhältlich bei Luchterhand und bei BTB.
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