Caribous "Swim Remixes"

geposted von clemens
26.10.2010 19:05
Das Album des Jahres und das Remix-Album des Jahres.


  Mehr als 175 Live-Shows in den letzten 8 Monaten, 35 Festivalauftritte und kein Ende in Sicht
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Ohren auf für Gold Panda. Letzte Woche erschien das Album Lucky Shiner (das übrigens auf der verlinkten Website der Band komplett gestreamt werden kann). Hier wird auf elektro-melodische Manier gefrickelt und gebastelt, was der Herbst hergibt. Zu Songs wie „Same Dream China“, zweimal „You“ oder „I’m with you but I’m lonely“ verfärben sich die Blätter rot, entgleiten ihrem Stamm und schmiegen sich an den Beton. Bitte nicht drauf treten, sondern zum Pressen in den verstaubten Pons - als Belohnung erscheint ein wohlklingender goldener Panda. Schon der zweite Pantha, der dieses Musikjahr versüßt.


Eben jener gepriesene Gold Panda remixt auf dem am 29. Oktober bei City Slang erscheinenden Neuabmischung von Caribous Album des Jahres „Swim“ den vielleicht größten Song „Jamelia“. Die Gold Panda-Version kommt mit Super Mario-Schnäuzer daher, hüpft und springt bouncig, bis der Akzent auf der Zeile des Albums liegen bleibt: „I can`t take it no more“ und wieder „I can’t take it no more“. Nicht länger halte ich es aus Jamelia, „You’ve got to make the change“. Gesungen unter Tränen - meint man - und doch in so voller Ohrwurmwucht komponiert, dass es einfach nur noch Richtung Tanzflur drängt. „Swim“ und seine neugemischte Schwester gehen ganz in dieser heißkalten Wechselwirkung auf: ich bin traurig <> ich will tanzen.

Die Spex hält es für eine "kleine Sensation", die Visions glaubt, eine "der wichtigsten Platten des bisherigen Jahres" zu hören und die Intro hat den Hot Chip-Vergleich schnell zur Hand (also quasi das Intro-nonplusultra). Dies ist nur eine Nabelschau der Lobpreisungen des vor rund sechs Monaten erschienenen Meilensteins von Dan Snaith alias Caribou. „Swim“ ist das Inception des Musikjahres. Dabei kommt Caribou ja nicht wie Phoenix aus der Asche: Wo der Vorgänger "Andorra" mit der fantastischen "Niobe" aufhörte, knüpft die Idee, Dance-Musik zu machen, nahtlos an. Nach den Huldigungen der Musikpresse jetzt ein Remix-Album aufzunehmen und dies mit weiteren Live-Terminen (siehe unten) zu garnieren ist nur die logische Konsequenz.


Die durch „Swim“ erreichte Popularität leistet hier ihren Beitrag; Snaith lernte eine ganze Pallette neue Freunde kennen. Und wenn diese beispielsweise Junior Boys heißen und dem Böller „Odessa“ neues Schwefelpulver hinzufügen, ja wer möchte dem Pop da noch eine Absage erteilen. Ein Knaller ist auch Dj Kozes Version von "Found Out". Sich langsam anschleichend, mehrere Minuten im Instrumentalen schwelgend, scheinen die virtuosen Klangpartikel erst in Snaiths Gesang wieder zur Ordnung zu finden, um sich dann im Outro langsam wieder zu zerstreuen (gute neun Minuten Klangerlebnis). Ein solches ist auch die von Fuck Buttons produzierte Endlosschleife von "Kaili"; auf einmal ist er wieder da, der verloren geglaubte Ohrwurm.

Das Remix-Album überdreht nicht, macht aus den melancholischen Hits keine Trancedance-Monster, die die Stimmungen zum Leid des Basses plattdrücken. Wo bliebe da auch die Blockflöte? Die sensible Handhabung an den Reglern der Swim-Remixer lässt alles Caribou-typische gedeihen und fügt neue Noten hinzu. Es sei also wärmstens ans Herz gelegt: Ab Veröffentlichung liegt „Swim Remixes“ bei jedem Kauf der „Swim“ CD/LP in Form einer Bonus-CD bzw. als Downloadcode bei (das Ganze gibts also nur entweder limitiert oder digital). Den großartigen "Leave house"-Remix des Motor City Drum Ensembles kann man jetzt schon hier für umme herunterladen und genießen: Bläser in elektronischer Musik sind nunmal das neue Schwarz. Weitere Neuinterpretationen kommen u.a. von James Holden und Nite Jewel.
Update 28.10.10: Das ganze Album gibts jetzt im Stream! Hier!

Man freut sich mit jenen, die Caribou noch entdecken werden - alle anderen können jetzt dem Remixspaß frönen, oder Live zugucken: Monsieur Dan Snaith gibt eine weitere Tour und erfreut auch die artifarti-Städte Hamburg und Wien:

08.11. München – Feierwerk
14.11. Leipzig – Central Theater
15.11. Hamburg – Uebel & Gefaehrlich
16.11. Heidelberg – Enjoy Jazz Festival
29.11. Köln – Gloria
04.12. Wien – Fluc
05.12. Frankfurt – Mousonturm
Support: Barbara Panther


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