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Immer noch vorreiten. Das Jeans Team.
15.11.2010 22:16
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Schon vor fünf Wochen erreichte uns folgende Neuigkeit: Das Jeans Team labelt sich nun selbst - die neue Heimat der Berliner Jungs heißt Alkomerz. In der gewohnt subversiv-simplizistischer Manier soll hier der fremdgesteuerte Kommerzdiskurs durch Selbstkommerzialisierung ausgehebelt werden. Autonomie war ja schon immer ein Thema im Leben des Jeans Teams und so erscheint das Credo "The tide is high and we are starting to sail this new ship" auch als mindestens leiser Anklang an "Segel dein Schiff". Mal ganz von der grundsätzlichen Faszination der Überschreitung abgesehen - so viel Wasser im Oeuvre. Selbst Berlin wird die Selbstüberwindung angetragen. Jetzt also ein eigenes Label. Und direkt hinterher die neue Single. In den frühen Zeiten von artifarti gab es mal eine Auseinandersetzung über die dandyistischen Qualitäten des Jeans Teams. Schon da konnten sie so herrlich Dinge als schöne Vorstellungen wollen, Alternativen vorschlagen, die dann ganz in einer Existenz als Gegenstand ästhetischen Wohlgefallens aufgingen - der Realität immer einen Schritt voraus. So viel Spaß die Musik immer gemacht hat, so kritisch waren auch die Untertöne. Also Kritik, die Spaß macht sich damit für die eigene Aussichtslosigkeit begeistert.
"Totes Kino" schreibt die Geschichte der Kritik (in der Zusammenschau mit der B-Seite "Kein Mensch") weiter. Lasst uns weiterdenken, weitermachen! ruft es mir entgegen. Kino funktioniert nicht mehr, Mensch und Tier haben ausgedient. Waren es in "Das Zelt" noch Gott und Staat, die wir hinter uns ließen, übersteigen wir uns nun selbst. Schluss mit überkommenen kulturellen Ordnungsmechanismen, Abstandnahme von alten Genregrenzen. Das Kino hat als Kategorie seinen Zenit überschritten, der Mensch und das Tier ebenso. Längst wissen wir, dass wir uns beständig selbst erschaffen. Wieso nicht mal anders? Der Trick des Jeans Teams besteht allerdings darin, eben keine Alternativen aufzuzeigen, lediglich ein Zustand des Passé zu konstatieren. Mit den neuen Auskopplungen gibt es also auch eine Innovation des eigenen Verfahrens. Denkbar sparsam werden hier nur einige wenige Worte wie Türen vor das noch nicht Vorhandene gestellt. So müssen gar keine Phantasien mehr präsentiert werden - jeder macht seine eigene Tür zum Heterotopos der neuen Welt auf. Fast als wären wir unser eigenes Label. Kommentieren |
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