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Tanztee mit Eavo. FIEBER im AMP
12.01.2010 23:23
Der Münsteraner geht zum Feiern in den Keller. Ivo Schweikhart hat das AMP zu einem der heißestgeliebten Indie-Clubs der Republik gewandelt. Ein paar staubhustende Sofas, nebelspeiende Katzen und die FIEBER Tanzparty mit ihren geschmackssicher ausgewählten Live-Acts spielen dabei eine wesentliche Rolle.
Nun ist Münster nicht die Welt und Indie hat permanent Hummeln im Hintern. Was soll das eigentlich, DJ Eavo?
Als uns draußen der Wind den Schnee um die tropfenden Nasen pustet, gewährt Eavo uns Einlass in sein Wohnzimmer: das AMP. Kuschelig ist es eingerichtet. Der Gastgeber bittet uns Platz zu nehmen, bietet uns Bier an und so sitzen wir auf der Bühne der Hütte am Güterbahnhof. Brennen hier am Wochenende Bands aus aller Welt ein Feuerwerk ab, so herrscht nun Lagerfeueratmosphäre. Romantisch ist es dennoch nicht. Eher die Ruhe vor dem Sturm, den das feierwillige Volk in wenigen Stunden in den alten Obstkeller mitbringt. Eine Entwicklung, die nicht abzusehen war, und die Frage aufwirft, wie alles begann.
DJ Eavo: Vor gut vier Jahren haben wir mit der Fieber Tanzparty angefangen, im Mai 2005. Fieber ging zum Teil aus der Pretty Day Party hervor, die Raffa und ich seit 2001 zusammen mit Gautsch (heute Malente) und Michael Brandes im Theatercafé gemacht haben. Artifarti: Deine DJ-Karriere begann also im Jahr 2001 mit einer Indie-Party? Nein, ich lege seit 1997 quasi als Profi-DJ auf. Meistens Indie-Parties im weitesten Sinne, wobei sich das, was man unter Indie versteht, mit der Zeit auch immer geändert hat. Pretty Day war wahrscheinlich die erste richtige Indie-Party. Du hast auch bei dem nahezu legendären Komm Küssen Fanzine mitgemacht. Wie kam es dazu? Ab der dritten oder vierten Ausgabe war ich dabei. Ich bin damals für Linus Volkmann gekommen, der jetzt bei der Intro ist. Die Fanzines waren ja quasi die Blogs der späten Neunziger. Mit Christoph Koch, Michael Brandes und dann mir war das fast ein reines Münsteraner Projekt. Damals - Ende der Neunziger - wurde der Münsteraner Szene in der Medienöffentlichkeit ein besonderes Augenmerk geschenkt und viele Bands, die untereinander noch vielseitiger verknüpft waren als heute, wurden unter Begriffen wie "Münsterding" vermarktet. Da du die Münsteraner Szene ansprichst: Siehst du ein spezielles Ineinandergreifen von hohem Studentenanteil und der Herausbildung einer jugendlichen Teilkultur? Ja, das glaube ich schon. Münster hat einfach den Vorteil, dass hier alle drei Jahre geschätzt 40 000 Studenten durchgeschleust werden. Ein ständiges Kommen und Gehen. Die "Szene" ist daher recht lebendig, aber auch sehr kurzlebig. Münster birgt als Durchgangsstadt also Vor- und Nachteile für die Entwicklung einer subkulturellen Musikszene. Man konnte von dir lesen, dass du zu den Plattenkünstlern gehörst, die Musikwünsche positiv aufnehmen; Musikwünsche also als kreative Unterstützung? Ich bin wirklich sehr dankbar für Musikwünsche, weil die einen Abend bereichern können. Manchmal kenne oder besitze ich die gewünschten Songs gar nicht, dann kann ich – dank Internet – die Stücke hier im AMP noch schnell kaufen. Musikwünsche können einen Abend wirklich abwechslungsreicher machen und helfen mir, die Leute auf der Tanzfläche und drumherum besser einzuschätzen. Aber bitte: Ein- oder eventuell auch zweimal Wünschen reicht in der Regel aus!
Mittlerweile ist das Gerücht bestätigt, dass die Fieber Tanzparty in Zukunft auch mal Münster verlassen wird... ...Ja, es ist zumindest ziemlich wahrscheinlich. Tapete Records hat gerade das Booking für Fieber übernommen. Es war ja auch in der Vergangenheit so, dass ich außerhalb Münsters aufgelegt habe, etwa in Hamburg (Grüner Jäger/ Übel und Gefährlich), oder auch ein paar mal auf dem Melt. Indie hat den Kajal-Emo in der Popularität der Jugendlichen abgelöst. Nu Rave ist plötzlich auch nicht mehr als ein Schimpfwort... ...genau wie Indie... ...wohin wird also die Reise des Indieklubs gehen? Schwer zu sagen. Auf der einen Seite gibt es diese inzwischen völlig glattgebügelten Radio-Bands wie Mando Diao, oder die Killers, denen viele andere tolle kleine Bands gegenüberstehen, die leicht folkig oder shoegazelastig daher kommen wie The Pains Of Being Pure At Heart oder Alarmstufe Ocker. Dann gibt es noch diese Mischformen aus Indie und Elektronik, die ich vielleicht als Indietronics bezeichnen würde, wie Errors - die mir zur Zeit auch sehr gut gefallen - oder Filthy Dukes. Ich wünsche mir ja, dass die letzten beide Genres in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen. Auf jeden Fall scheint sich der zeitweise bei Indiehörern beliebte Electro in Ed Banger-Tradition inzwischen wieder von den Indieparties abgekoppelt zu haben, ganz zu schweigen von Wirkungsmusik wie z.B. von Deichkind – zwischen denen und Frauenarzt höre ich aktuell leider nicht mehr so den Unterschied. Zwischen Eavos Antworten mischt sich ein permanentes Gebimmel: der Rhythmus eintreffender Emails. "Ich habe gerade den Newsletter rausgeschickt", entschuldigt er sich, "das sind jetzt die Abwesenheitsnotizen". Über 5100 Tanzwütige haben sich in seinen Verteiler eingetragen. Ob unter ihnen der Gast ist, der in seinen Hoheitsbereich eindrang, als er auf die Plattenteller patschte, um seinem Musikwunsch "James Brown" Ausdruck zu verleihen? Dazu mehr im zweiten Teil. KommentierenKommentare15.01.2010 17:53
coole sache! persönliche, "unrasierte" antworten und im interviewstil geschrieben - ich hab nix auszusetzen. bin gespannt, wie's weitergeht!
15.01.2010 16:36
Super Idee. Und Gute Fragen.
Aber absolut nicht schön geschrieben wie ich finde. Sorry. |
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