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DJ Eavo Teil II - James Brown kommt mir nicht indie Kiste
20.01.2010 21:01
Musikwünsche leiten eine Nacht im AMP auf abenteuerliche Routen. Indie als basisdemokratisches Prinzip. Eavo thront nicht hoheitlich auf seiner Kanzel und predigt Beats. Er steht im Dialog mit dem Publikum. Auch im Dialog mit dem Tölpel, der seinen Lieblingssong - "Wirkungsmusik" früherer Dekaden - irgendwo zwischen Fanfarlo und Foals platzieren wollte. Ein DJ über pöbelnde Gäste, plärrende Kinder, kunstvolle Pragmatik und den Wert von Live-Konzerten...
DJ Eavo:...Natürlich habe ich nichts gegen James Brown. Ich sage dann eben „tut mir leid, mit James Brown wird das heute nichts“ – nur in diesem Fall kam der Gast dann noch dreimal an und meinte mir sagen zu müssen, was ich für ein scheiß DJ sei. Normalerweise reagiere ich dann entspannt, aber dann fing der auch noch an mich hinter dem DJ-Pult anzugrabbeln und hat in den Plattenspieler gegriffen. Da war ich wirklich sauer, der musste dann gehen; das DJ-Pult ist ja quasi der heilige Bereich jedes DJs.
artifarti: Eavo, du bist Familienvater und hauptberuflicher DJ. Gerade mit dem Auge auf deine Arbeitszeiten - wie lässt sich das alles unter einen Hut bringen ohne die Lust am Beruf zu verlieren? Im Moment fühle ich mich einfach fit und mir macht das Auflegen riesig Spaß – was auch daran liegen mag, dass die Leute im Umfeld meine Arbeit anerkennen. Das brauche ich auch, manchmal fallen da schon locker 50 Stunden Arbeit in der Woche an, gerade wenn ich Konzerte organisiere. Ich habe eine Tochter, die während dieser Zeit bei ihrer Mutter lebt und die andere Wochenhälfte bei mir. Das klappt eigentlich sehr gut. Hast du einen Masterplan für deine Zeit nach dem DJ-Beruf? Natürlich gibt es manche Überlegungen, ich bin ja auch schon vierzig. Ich habe aber keinen Masterplan... ...du machst auch Fotos? Leider habe ich da wenig Zeit für, seitdem ich vermehrt Bands buche. Im Moment bin ich deswegen recht unproduktiv, was das angeht. Parties organisieren, Konzerte veranstalten und Auflegen ist eben ein richtiger Vollzeitberuf. Aber wer mal Fotos gucken möchte: www.eavo.de. Das AMP ist recht kreativ ausgestattet (Sofas, Teppiche, "Tiergehege"). Wie viel Kunst gehört in einen (Indie-)Klub? Eigentlich sollen sich Gäste im AMP erstmal wohlfühlen. Ein anderer Aspekt sind natürlich die Kosten. Second Hand Möbel im "Oma-Stil" sind gemütlich und kosten jetzt nicht die Welt. Das ganze wird dann etwas gebrochen durch die im AMP verteilten FIEBER-Tiere, die ja schon seit knapp fünf Jahren unser Markenzeichen sind, wenn auch in verschiedenen Ausprägungen. Aber auf jeden Fall überwiegt der praktische und auch dekorative Wert den künstlerischen.
Im AMP treten immer wieder Live-Acts aus aller Welt auf. Ist das Ausrichten von Konzerten unbekannterer Bands überhaupt noch rentabel? Ich bin natürlich getrieben von der Hoffnung, dass ein Konzert auch gut besucht wird. Aber im Gesamten ist die Idee im AMP Konzerte auszurichten – wenn auch gute Werbung für den Laden und die Parties – eine Form von Idealismus. Viele Bands, die hier live spielen, finde ich einfach super, doch auch die Bands können das nur aus Zuneigung zur Musik machen; eine Band verdient ja an so einem Abend praktisch auch nichts, wenn man all ihre Kosten abzieht und bedenkt, wieviele Leute da meistens mitspielen. Apropos Kosten, es ist schon vorgekommen, dass eine Band sogar diese übernehmen wollte, falls sie nicht genug einspielt. Schrecklich. Teilweise mache ich mit den Bemühungen, eine anständige Live-Kultur auf die Beine zu stellen, unterm Strich bis zu 500 Euro im Monat Verlust. Die unvermeidbare Frage: Was sind deine Lieblingsbands? Auf jeden Fall gehört Serge Gainsbourg zu meinen Alltimefavorites. The Smiths natürlich, wobei Morrissey ja nicht altern zu wollen scheint. Das gefällt mir bei Tocotronic besser, die werden mit mir - äh - reifer, auch auf jeden Fall eine meiner Lieblingsbands. Ich mag außerdem oft die Bands, die auch im AMP spielen. Die habe ich schließlich mal aus einem riesigen Haufen von Anfragen rausgewühlt. Zum Beispiel die Errors letztes Jahr, die waren großartig, seitdem gehören sie zu meinen Lieblingsbands, oder auch Gisbert zu Knyphausen, ein wunderbarer Mensch. We Have Band finde ich auch fantastisch, leider waren die noch nie im AMP. Von den elektronischen Sachen, mag ich gerne Musik aus dem Hause Audiolith, so langsam müssten die eigentlich fast alle mal hier aufgetreten sein... Möchtest du uns zuletzt einen gegenwärtiger Anspieltip mit auf den Weg geben? Mir macht es generell Spaß, die Leute durch den Abend zu führen. Einen einzelnen Song herauszuheben ist schwer. Ich suche mir ja jede Woche neue Stücke raus für die Parties, gerade klasse finde ich zum Beispiel Pillow Fight Club mit Not Interesting, die neue Figurines LP mag ich sehr und Ebony Bones finde ich auch gerade super zum Auflegen; und natürlich bin ich sehr gespannt auf die neue Tocotronic LP! Lieber Eavo, wir danken dir für das Interview und wollen außerdem gratulieren: Glaubt man der Münsteraner Tagespresse, ist das AMP im Intro-Leserpoll der kommenden Februarausgabe zum drittbesten Club Deutschlands gewählt worden. Tassen hoch! Kommentare08.02.2010 13:47
amp bei tageslicht und aufgeräumt? ist ja fast nicht wiederzuerkennen...
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