CocoRosies "Grey Oceans" - An old movie on colour TV

geposted von clemens
19.05.2010 21:00
Man stelle sich vor, die Arche Noah strandet im Gebirge und alle geretteten Tierarten feiern zusammen mit Noahs Familie ein Fest zwischen Melancholie und Leidenschaft. Welche Musik würde wohl am ehesten Giraffenköpfe zum Nicken, Elefanten zum Tröten und den Mond zum nachdenklichen Strahlen bewegen?


  CocoRosie mit neuem Album im Berliner Admiralspalast; Foto: clemens // artifarti
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Noah's Ark hieß auch das zweite im Jahr 2005 erschienende Album CocoRosies, das ähnlich ihres 2004er Debüts La Maison de Mon Rêve auf ungewöhnlich verrückt-melodische Art (Kinderspielzeug + Fön = Beat) hungrige Musikseelen zu sättigen wusste. Im Vorgänger des jetzt bei Souterrain Transmissions/Rough Trade erschienenden Albums Grey Oceans hielt dann überraschend der Rap Einzug. Und mit dem Opener von The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn (2007) war sogar ein lupenreiner Popsong geschaffen. Man durfte also gespannt sein, was die Rosies als nächstes planen.

Die Geschichte der zwei Frauen der Band mit einem Faible für lustig-hässliche Plattencover (siehe unten) wurde schon oft erzählt: Die Schwestern Sierra and Bianca Casady verlieren sich in der Kindheit aus den Augen, treffen sich nach zehn Jahren wieder und produzieren zusammen ein erstes Album. Seitdem ist Coco Rosie ein Name in der Independent-Szene und seit dem 30. April und der Veröffentlichung von Grey Oceans nicht mehr nur dieser.

In Buenos Aires trafen die Schwestern Nicolas Kalwill, der das neue Album produzierte. In wenigen wilden Nächten floss die sprudelnde Energie direkt in einige Tracks. Außerdem produzierte man in Studios in Paris, Berlin, New York, und Melbourne. Mit auf der Weltreise: Das neue Bandmitglied Gael Rakotondrabe, ein pariser Jazzpianist der schon Stücke für das Royal Dutch Orchestra schrieb und arrangierte.


  Ein bärtiges CD-Cover. Die Lp hat übrigens ein Anderes

Was Coco Rosie so besonders macht, ist das collagenartige Klangzusammenspiel von Vogelgezwitscher, Harfe, Trommel, Flöte, Streicher, Beatboxer und jetzt vor allem: Klavier. Wie Instrumente, Tierlaute und Gegenstände zusammenfinden, ohne sich aneinander zu stoßen, macht das neue Album vor. Grey Oceans klingt perfekt arrangiert, sphärenverbindend und immer noch frech anders. Im Gegensatz zu den auch großartigen Vorgängern kreierten die Schwestern hier einen offeneren Sound. Die Traumgesänge der ausgebildeten Opernsängerin Sierra werden eins mit dem nasalen Sprechgesang ihrer Schwester. Grey Oceans bietet einige Schmankerl, die man gestern auf der Bühne des Berliner Admiralspalastes bestaunen durfte.

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