LAN aus Berlin - Live und Unplugged

geposted von clemens
18.08.2010 19:15
Berlin klingt immer gleich? Mitnichten! Die drei Jungs von LAN geben nichts auf die Grenzen der Musikgenres und machen ihr eigenes Ding. In ihrem Studio standen sie Rede und Antwort und gaben artifarti ein exklusives Unplugged-Konzert.


  Popstars in schwarz-weiß
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Das Ritter Butzke ist leerer als sonst. Viele haben sich zum MELT! aufgemacht. Wer dageblieben ist, tummelt sich vor der Bühne, auf der die Berliner von LAN ihre Songs zum Besten geben. Energiegeladen, elektronisch, Trompete: hier steht keiner still. Manchmal verstummen die minimallastigen Klänge. Dann regt der melancholische Gesang von Colya Kärcher zum Träumen an - bis ein tiefer Bass die Zuhörer wieder in die eigentliche Welt zurückkickt. Wann war nochmal das MELT!?

Tage später nahe des Treptower Parks. Ich treffe Colya Kärcher, Henning Grambow und Klaus Sebastian Klose von LAN in ihrem hauseigenen Studio. "Wir haben hier zwei Etagen nur für uns, über und neben uns ist niemand - da können wir richtig Krach machen", begrüßt mich Colya schmunzelnd. Seit 2006 lärmt die Band mit einem Sound irgendwo zwischen Pop und experimenteller Elektronik. Stößt noch der inoffizielle vierte und trompetende Bandmember Thalstroem dazu, den man sich mit Aka Aka und The Cox teilt, bekommt das Ganze gar eine jazzige Note. Würde man LAN in eine Schublade stecken, man würde ihnen Unrecht tun; "Viele denken bei elektronischer Musik mit Gesang direkt an House, aber das entspricht uns eben nicht!"

Auf dem im Oktober offiziell erscheinenden Debütalbum CU machen LAN eine eigene Ansage, wie Musik im Jahr 2010 noch unverbraucht klingen kann. Der Zuhörer kann zu CU sitzen und tanzen, weinen und lachen. Melancholie verbindet sich mit Euphorie, humorvolle Traumwelten treffen auf frustrierende Großstadtrealität. Pro oder Contra, Ja oder Nein - LAN überkommen den scheinbaren Widerspruch: "I don't like money - money is so much fun", heißt es in ihrer ersten Single Money. "Viel Geld zu haben macht eben auch nicht glücklich. Es ist beides: Trouble and Fun", findet Colya, der alle Texte selber schreibt. "Money war in fünf Minuten fertig. Der Satz 'I don't like money' stammt allerdings von Henning. Das fanden wir so gut, das musste rein."



Eigenes Geld verdienen können LAN vor allem durch ihre Musikproduktionen zu Werbespots. Herauszuheben ist die pumpende Beatuntermalung zu dem Sony Ericsson Vivaz Pro Commercial. "Das ist cool, weil Sony von sich aus auf uns zu kam. Die fanden unsere Musik einfach gut."

Eine finanzielle Basis ist also gelegt. Da kann mit 90ies die zweite Single des Albums in aller Ruhe geplant werden. Für das Visuelle ist wieder eine Zusammenarbeit mit André Bause (eigentlich Filmproduzent, Gnashville) angestrebt, der in Money sein schnitzelaffines Regiedebüt gab. Im Song fliegt eine Zeitmaschine die Jungs aus Versehen in das Jahrzehnt der Trash-Musik. "I need to talk to Kurt Cobain", singt Colya dort, denn, so fragt er mich, "wer soll einem Verlorenen in den 90ies sonst helfen?" Liegen hier also die musikalischen Wurzeln von LAN? "Naja, ich bin einfach ein riesiger Pop-Fan", schwärmt Colya "von Freddy Mercury bis zu David Bowie - das sind für mich Helden". Auch die Entscheidung auf Englisch zu singen, hatte ihren Ursprung im Pop.

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