Tokio Hotel mich nicht voll

geposted von clemens
09.11.2009 12:15
Das allmonatliche Ritual; Zum Plattendealer des Vertrauens düsen, vielleicht eine neue Vinyl, auf jeden Fall die noch druckfrische Intro mitnehmen. Erster Anblick, verdammt schickes Cover, zweiter Anblick, trotz Tokio Hotel. „Die Intro, immer für Überraschungen gut, ne“, gibt mir der Ladenhüter zum Denken noch mit auf den Weg. [mehr]

  So ein Artwork weckt natürlich Hoffnungen
Kaum zu Hause angekommen, suchen die Finger schon den Leitartikel. Gezwungenes Langsamlesen um die Sätze nicht um ihre Bedeutung zu bringen. Überraschend wie viel Platz (vier Seiten) hier einer nicht-Intro Band gewidmet wird. Überraschend ist auch der bittere Nachgeschmack, der nach dem Lesen in Mund, Bauch und Kopf zurück bleibt: Völlig inhaltsleer ist dieses Interview!

Es ließe sich in einem Satz zusammenfassen: Tokio Hotel ist doch gar nicht scheiße und wer das denkt, der geht auch nicht mehr mit der Zeit.
Diese Anfeindungen wegen des weiblichen Äußeren des Sängers Bill seien sowieso ungerecht, schließlich war auch David Bowie geschminkt. Und überhaupt - so heißt es von Seiten der Interviewführenden in Bezug auf die Schulschwierigkeiten der Zwillinge - ist es schon schockierend, dass euch die die Lehrer gedisst haben. Die hätten euch doch vor dem Mob beschützen müssen.

Hart ist sie, die Realität. Denn in dieser gibt es Menschen, die mit der Musik von Tokio Hotel nichts anfangen können, sei sie jetzt "gut", oder nicht. Menschen, welche die Intro lesen, gehören wahrscheinlich zu 80 Prozent dieser Realität an. Warum dann dieses Interview: Weil Tokio Hotel dafür bezahlt hat wie Introforum-User "feudel" vermutet? Weil zwillingsbedingtes Zusammenhalten nicht den Normen der Konkurrenzgesellschaft entspricht (diese Aussage entstammt ebenfalls dem Interview) und wir Nichtzwillinge uns alle mal ein Beispiel nehmen sollten?

Nein, hier geht es ausschließlich darum, dass Spalterpotential einer Band auszunutzen um sich in den Vordergrund zu spielen. Das Interview könnte überall abgedruckt sein, es verkommt in seiner Eigentlichkeit. Dem Künstler einen Spiegel vorhalten, ihm kritisch, oder mit Ironie begegnen - das wäre überraschend innovativ gewesen. Überraschend (schön) ist hier leider nur das Cover.

Kommentieren

Dein Name
Spam-Schutz, bitte die beiden Begriffe eingeben

Kommentare

09.11.2009 23:02
Großer O.
Tokio Hotel soll auf den Teenmags bleiben. Alles weitere wird die Zeit bringen. Es ist doch in der Musik wenigstens noch so, dass Geschmak verschieden ist, Anspruch variiert, aber Qualität sich lezltztlich durchsetzt. Grüße O.