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"Roma-Palast" in der Garage X
31.10.2010 20:32
Das Theater "Garage X" am Wiener Petersplatz feierte dieses Wochenende sein neues Programm mit einem 72stündigem "Roma Palast" und wird von der Polizei gestürmt.
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"Achtung, Achtung, hier spricht die Polizei", hallt es durch die zu Theaterräumen umgebaute Garage. Zielstrebig packen sich die Beamten zwei Roma und führen sie ab. Der Irritation folgt allgemeines Schmunzeln: natürlich alles gefaked, die Polizisten nur verkleidete Darsteller, die Empörung der Roma nur gespielt. Und doch, hätte man einen Polizeieinsatz hier nicht erwartet, hätte man geholfen oder eingegriffen? Verteilt über 72 Stunden konfrontiert die Garage X mit Vorurteilen, zeigt Video-Installationen, Filme und eine Podiumsdiskussion über "Roma in den Medien und die Realität". Die Intendanten Harald Posch, Ali Abdullah und die Mitkuratorin Gilda Horvath (ORF) haben sich zum Ziel gemacht, den Roma ein "dreitätiges Wohnzimmer" (Horvath) anzubieten, das für jeden Besucher und jede Diskussion offen steht. Menschen aus der Roma-Community gestalten selbst mit, gegenseitige Inspiration ist erwünscht. Und natürlich, bei einem Theater, das schon "The Cocka Hola Company" von Matias Faldbakken aufführte, darf die Provokation nicht fehlen: "Betteln und Hausieren verboten" prangt über dem Eingang des Theaters, darunter werden zerschnibbelte Filmausschnitte von Nicolas Sarkozy an die Wand projeziert. "Unserer Meinung nach, hat Theater eine gesellschafts-politische Aufgabe", fasst Abdullah zusammen. Um der nachzukommen, wurde am Freitag zur Podiumsdiskussion "Roma in den Medien" geladen. Neben Gilda Horvath, die durch die Abende führt, diskutieren hier Journalisten (ORF, Die Presse, Falter) mit der Regisseurin Tina Leisch und einem Sozialarbeiter der Wiener Jugendwohlfahrt. Letzterer betreut pro Jahr 650 Roma-Kinder und spricht offen von einem "Roma-Problem". Seiner Meinung nach werden Frauen geschlagen, Roma-Kinder systematisch zum Betteln verschickt und von den eigenen Mitgliedern der Sippe ausgebeutet. Wortwahl und Pauschalisierungen werden von dem Publikum lautstark zurückgewiesen - ein erboster Roma im Publikum verlässt den Saal, das unvermeidliche Wort "Rassist" fällt. Auch in der Runde regt sich Widerstand, Tina Leisch fragt sich, wieviel man dem "Effekt der Armut" zurechnen müsse. Und Djurica Nikolicz vom Falter (dessen Redaktion nach eigener Aussage das Roma-Sarkozy-Thema schlicht und einfach "verschlafen hat") gibt zu Bedenken, dass man zu leicht dazu tendiert, das Problem ethnisch zu überlagern.
Die erhitzten Gemüter kühlen sich im Anschluss bei Gipsy-Jazz wieder ab. Man gibt sich wieder die Hand, findet zueinander. Zum Theater fanden über die Tage allerdings nicht so viele Menschen wie erhofft. "Wir haben alle Nachbarn eingeladen, niemand ist gekommen. Das ist auch eine Aussage", meint Ali Abdullah. Aber auch auf Seiten der Roma gibt es Irritationen. Von den 20 angemeldeten Romnija der "Miss Roma-Wahl" kommt keine. Die Veranstaltung kann nicht stattfinden, anscheinend hatten die Väter Bedenken, ihre Töchter könnten im Fernsehen unangemessen dargestellt werden. Am darauffolgenden Samstag nehme ich das Angebot des Programms wahr und "miete" einen Roma. Zoran ist 28 Jahre alt und arbeitet unter anderem als Kinder- und Jugendbetreuer im Wiener Jugendzentrum. Mit seiner Tanzcrew "4 Elements" hat Zoran am Vortag die Zuschauer mit seinen vielbewegten Interpretationen von HipHop und Michael Jackson begeistert. Und auch auf Youtube ist er als Mr. Allinclusive vielfach vertreten. Er zeigt mir einige seiner Tricks mit Münzen und Karten, witzelt herum und macht eine verdammt gute Human Beatbox zu "Billy Jean". Bei einer Zigarette erzählen wir uns unsere persönlichen Momente mit dem "King of Pop": "Er bringt mit seiner Musik alle zusammen - für mich ist das der Weg der gemeinsamen Verständigung: die Kunst", sagt Zoran mit lachenden Augen. Nur als ich ihn auf Nicolas Sarkozy anspreche, verlieren sie ihren Glanz. Er möchte dazu nichts sagen, aber ich dürfe ein Foto machen. Über das Ergebnis müssen wir schmunzeln.
Das kommende Programm der Garage X. Empfohlen sei vor allem "Good News", ein Stück nach dem gleichnamigen Film von Ulrich Seidl, über den Werner Herzog einmal sagte, es sei einer der besten Dokumentarfilme aller Zeiten. In kurz: Es geht um "den Wahnsinn der Realität in Österreich". Kommentieren |
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