Farbe auf der Baustelle. Ein (Kurz-)Besuch im Dortmunder U.

geposted von julian
14.11.2010 11:17
Früher braute die Dortmunder Union-Brauerei am Königswall ihr "Export" und ihr "Siegel Pils", seit 2008 wird das imposante Gebäude saniert und umgebaut. Für rund 50 Millionen Euro soll hier im Dortmunder U ein Zentrum für Kreativität entstehen. Trotz der Eröffnung im Oktober sticht aus der Baustellentristesse zwischen Absperrband und staubigem Estrich bisher nur "Orange" heraus.

  © FH Dortmund

Das Dortmunder U verlangt als „Zentrum für Kreativität“ dem Besucher derzeit noch einiges davon ab, wofür es einmal stehen möchte. Denn während außen die halbdigitalen Tauben der winkelmannschen Installation zuverlässig auf jede volle Stunde hinweisen, ist der Kern des ehemaligen Gebäudes der Union-Brauerei (momentan) alles andere als eine kreative Zugnummer. Es herrscht mehr grobe Baustellenatmosphäre mit unfertigen Böden, unklarer Raumverteilung und diffus dekoriertem (?) Absperrband als die Stimmung eines Ortes, der für freigeistige Entfaltung oder deren Ausstellung dienen soll.

Neben der erwartbaren und unspektakulären Ausstellung des Museums am Ostwall, das Werke zeitgenössischer Kunst unter dem Titel Das Museum als Kraftwerk präsentiert (mit den alten Bekannten Gerz, Roth, Beuys, Hattenberger) zeigen Studenten der Fachhochschule Dortmund noch bis zum 19. Dezember Orange im U. Basierend auf dem Konzept des Musée Sentimental haben die Studentinnen und Studenten orange Objekte und deren Geschichten arrangiert. Daraus entsteht ein Konglomerat an Dingen, das eine Zeitreise durch Designgeschichte und einen gewitzten Blick auf Geschmack und Zeitgeist deutscher Nutzgegenstände ermöglicht.

  Orangene Objekte mit persönlichen Geschichten. © FH Dortmund

Kombiniert mit Interviews, in denen die Leihgeber ihre persönliche Verbindung zum Objekt schildern, werden die Objekte zum Sprechen gebracht und verbinden sich - bei allem kulturgeschichtlichen Interpretationsspektrum - zu einer unterhaltsamen Ausstellung. Und ganz nebenbei gelingt es, dass die Besucher durch kurze, prägnante, beinahe unterschwellig präsentierte Texte, eine kleine Kulturgeschichte der Farbe Orange mitnehmen dürfen: Orange als „Symbolfarbe höchster menschlicher Erleuchtung“, heißt es da bei den Buddhisten. Das kann und will diese Ausstellung sicherlich nicht sein, aber sie ist derzeit doch der leuchtende Farbtupfer im sonst blassen U.

Der Eintritt ist kostenlos.
www.orange-im-u.de

Öffnungszeiten:
Di + Mi 10 bis 18 Uhr
Do + Fr 10 bis 20 Uhr
Sa + So 11 bis 18 Uhr

Kommentare

30.10.2011 21:59
Hey Julian,

Die Ausstellung war meine Abschlussarbeit.
Danke für den netten Bericht/Kritik...ist zwar schon was her,
bin aber grad erst darauf gestoßen...

Ciao,
Clemens

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