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„What can you do when you have to be a man“
08.02.2011 15:55
James Dean wäre heute 80 Jahre alt geworden. Er ist und bleibt ein Fascinosum: Wieso brauchte es 33 BRAVO-Ausgaben für einen Starschnitt, wie wird man mit 24 Jahren zur Vaterfigur und was haben rote Lederjacken mit der Fresswelle zu tun? Unser Autor Clemens macht sich auf die Suche.
---Heute, am 8. Februar 2011 wäre James Byron Dean 80 Jahre alt geworden. Sein Status als Jugendidol hat er noch lange nicht eingebüßt, vor allem Dank seiner Rolle in Denn sie wissen nicht was sie tun. Der Originaltitel Rebel without a cause liest sich wie eine Lebensbeschreibung des Mannes, der auch in Deutschland zu einem Idol der Jugendkultur nicht nur der späten 50er Jahre werden sollte. Ursprünglich basierend auf einem Buch über einen jugendlichen Psychopathen, erschien der Film über deviante Jugendliche im Oktober des Jahres 1955 in den Kinos. Einen Monat zuvor war Dean, der durch die Rolle Jim Starks zur Berühmtheit heranwuchs, bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Das bekannteste Werk von Regisseur Nicolas Ray steht im Kontext einer ganzen Reihe von amerikanischen Filmen der 50er Jahre wie beispielsweise Der Wilde (1953) mit Marlon Brando, Die Saat der Gewalt (1955) oder Außer Rand und Band (1956). James Dean wächst auf in einer aufregenden Zeit jugendlicher Selbstfindung – die heute fast ausschließlich mit seinem Gesicht identifiziert wird. Der Zeitraum der 50er Jahre wurde in Deutschland geprägt durch das Vorstellungsdreieck von Ordnung, Anstand und Sauberkeit. Das Besinnen auf die vielzitierte Korrektheitsnorm sollte symbolischen Schutz bieten vor der zeitlichen und geistigen Nähe des „Irrtums“ der Vergangenheit. Aufgewühlt durch die aus den USA stammenden Konsumneuheiten überschwemmten in kürzester Zeit mehrere Wellen den durch Anstandsregeln noch ruhig liegenden Boden der Bundesrepublik: die Fresswelle, die Möbelwelle, die Reisewelle, und die Autowelle. Wer radikal modern sein wollte, suchte sich zur spontanen Gegenidentifikation Konsumgüter, Haltungen und Stile aus der US-amerikanischen Populärkultur – der James Dean-Kult hat hier seine Anfänge. Die „ständig wachsende Beliebtheit“ Deans, so sein Freund und früher Biograph William Bast, setzte „sofort nach dem Erfolg von Jenseits von Eden“ (1955) ein. Kontroll- und Reglementierungsansprüche der Autoritäten und etablierten Einrichtungen auf der einen Seite standen der Alternative eines nichtreglementierten Raumes – der für die Heranwachsenden durch das kommerzielle Angebot erschließbar geworden war – auf der anderen Seite gegenüber. Der Generationenkonflikt wuchs zu einem Problem heran, das in seiner explosiven Struktur gerade bei Auseinandersetzungen innerhalb der Familien Zündfunken sprühte. Im August 1956 erschien in Deutschland außerdem die erste Ausgabe der BRAVO, die in nur wenigen Jahren zum Inbegriff der Jugend-Populärkultur aufstieg. Der kommerzielle Erfolg der Zeitschrift ist untrennbar verknüpft mit der Bedeutung, welche die Stars für die Kommunikation der Jugendlichen gewannen. So kann es kaum verwundern, dass der Durchbruch in der Publikumsgunst im Jahre 1956 durch eine, mit vielen Fotos gespickte, Serie über James Dean gesichert wurde. Die Resonanz war so groß, dass man die Serie mehrmals verlängerte und erst nach 33 Folgen Mitte 1957 abschloss. Dabei führte Denn sie wissen nicht was sie tun eine jugendliche Normabweichung vor, die so völlig unbegründet erschien. Stammen doch die drei Charaktere Jim Stark (James Dean), Judy (Natalie Wood) und John 'Plato' Crawford (Sal Mineo) aus gutem Hause. Doch das Prinzip der „Konsum-Liebe“ greift hier nicht. Das liegt vor allem daran, dass die Jugendlichen in dem Film im Gegensatz zu der Elterngeneration moralisch handeln. Jim Stark greift zwar zum Messer, doch er will sich der Polizei ausliefern, seine Eltern sind dagegen. Und noch etwas war neu und so unerhört, dass die eine oder andere Szene es nicht in den Film schaffen durfte. Plato kann als der erste homosexuelle (Jugendliche) der Filmgeschichte gelten. Zurückgelassen von seinen Eltern sieht er in Jim seine Vorbild- und Vaterfigur. Über James Deans eigene Sexualität wird bis heute viel diskutiert. Mittlerweile gilt es als sicher, dass er zumindest bisexuell war und man spekuliert, dass er für die ein oder andere Rolle auch die Sofas der Produzenten in Anspruch nahm (so beispielsweise Lawrence Frascella und Al Weisel in ihrer wegweisenden Studie Live Fast, Die Young: The Wild Ride of Making Rebel Without a Cause). Denkt man an James Dean, versucht sich im Innern sein Bild zu vergegenwärtigen, erscheint zumeist die Figur eines gut aussehenden, jungen Mannes – der Jeans und eine rote Lederjacke trägt. Ein Muster, das sich in unser Gedächtnis eingebrannt hat. James Dean verkörpert die amerikanische Lässigkeit par excellence. Wann immer sich die Möglichkeit bietet, lehnt sich Jim Stark in Denn sie wissen nicht was sie tun an, legt sich hin, oder vergräbt seine Hände in den Hosentaschen. Stilprägend war außerdem seine Kleidung; Jeans, T-Shirt und Lederjacke waren die Insignien seiner saloppen Posen, die entgegen alter Kleidungsrituale wirkten. Gerade die Jeans begann in den 50er Jahren verschiedene soziale Aspekte zu symbolisieren, worauf das Idol Dean zumindest Einfluss gehabt haben dürfte; Die Blue Jeans wurde zur Institution, die zwischen Jung und Alt, Konformisten und Nonkonformisten unterscheiden ließ. Die knallrote Lederjacke die Jim Stark trägt, wurde zu einem festen Bestandteil der Erinnerungskultur des Schauspielers. Grelle Farben und schrille Kontraste widersprachen der deutschen Tradition einer sich in den dominierenden Farben Grau, Dunkelblau und Braun widerspiegelnden männlichen Zurückhaltung. In einer farblichen Symbolik ist der Rebell ausgewiesen als wütender, leidenschaftlicher Jugendlicher. Regisseur Nicholas Ray wusste um das Polarisierungspotential der Kleidungsstile seiner Schauspieler (die durch Improvisation und eigene Meinung zum Entstehungsprozess des Filmes beitragen sollten). Er setzt ihre Kleidung nicht nur als symbolische Zeichen ein, er macht den Konflikt um den jugendlichen Stil auch zum Thema des Films selbst; Der ausschlaggebende Grund dafür, dass sich Judy anfangs auf dem Polizei-Revier wiederfindet, ist eine Auseinandersetzung mit ihrem Vater wegen ihrer Kleidung, in deren Folge sie von zu Hause wegläuft. Denn sie wissen nicht was sie tun bot in den 50er Jahren Identifikationspotential, das weit über das Feld etwa einer Jugendkultur der Halbstarken hinausging. Auch Jugendliche, die nicht in Cliquen organisiert durch die Straßen zogen, konnten Gefallen an dem Film finden und sich selektiv nach bestimmten Gebaren und Stilen der Schauspieler ausrichten. Und tatsächlich verkörperte James Dean nicht nur im Film den unversöhnlichen Jugendlichen, sondern lebte auch privat „aus einem Geist der Auflehnung heraus“. In Nicolas Rays Werk spielt er sich selbst, wie Biograph David Dalton feststellt. Von Deans Potential als Projektionsfläche einer selbstbewussten Jugendgeneration scheint bis heute wenig verloren gegangen zu sein, was auch an Deans frühen Tod liegen mag. 13 Tage vor seinem Unfall nimmt er einen Werbespot für sicheres Fahren auf – ein weiterer Beitrag zur nunmehr 80 Jahre gültigen Legende James Deans. Kommentieren |
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