Dylan Morans schwarze Bücher

geposted von clemens
30.10.2009 20:10
Wir schreiben den 18.07.2008., Melt! Festival, bald wird es 5 Uhr. Die Morgensonne zeigt ihr Gesicht und lächelt die letzten Regenwolken beiseite. Auf dem Weg zu Ellen Allien begegne ich zwei Iren. Einer der beiden stößt sich seinen Kopf übel an einem Converse-Werbeschild. Das finde ich sehr lustig, die Iren nicht. Sie möchten jetzt nicht mehr mit mir reden. „Do you know Dylan Moran?“, ist mein letzter Versuch, das Eis zu brechen (ich schäme mich meiner Anbiederung). Sie bleiben stehen. Wir können doch noch Freunde werden. Na also. [mehr]
Bernard Black lebt seinen Traum; Er hasst die Menschen, die in seinem Independent-Buchladen Bücher kaufen wollen – verjagt sie mit Megafon und Kehrbesen, zerreißt ihre bzw. seine Bücher und bedroht sie mit Marmeladentoast. Ist gerade mal kein Kunde in der Nähe, an dem er seinen Nihilismus ausleben kann, wird sein trotteliger Helfer Manny Bianco (Bill Bailey) körperlich oder geistig malträtiert - beispielsweise in die Hand oder Brust getackert, oder abwechselnd gefeuert und wieder eingestellt.


  Dylan Moran alias Bernard Black

Dylan Moran. Bald 39 Jahre jung, Ire, Schauspieler, (stand-up)- Comedian und in unserem Mario Barth-Kinofilmland eher unbekannt. Sein Meisterstück „Black Books“ wurde drei Staffeln a sechs Folgen lang ausgestrahlt und ist bisher nur in englischer Fassung (hoffentlich bleibt das so) zu haben. Moran, der Mann der Nebenrollen („Shaun of the Dead“, „Run, Fat boy, run“, „Notting Hill“), läuft dann zur Höchstform auf, wenn er selbst die Hauptrolle spielt: Zu Black Books schrieb er teilweise das Drehbuch, seine Stand-up-Show ist regelmäßig ausverkauft.

Was macht ein Buchladenbesitzer, der keine Bücher verkaufen will?

Er reiht Zigarette an Zigarette und Rotwein an Rotwein. Beizeiten betrinkt er sich auch in Gesellschaft von Fran Katzenjammer (Tamsin Greig), einer Freundin, die in den ersten Folgen nebenan ein Geschäft voller „wank“ besitzt. Black Books führt das ökonomische Prinzip ad absurdum. Bernard lässt sich lieber von Skinheads verprügeln („Which one of you bitches wants to dance“), als seine Abrechnungen zu machen. Aus Bernards Sicht macht Geld nur Ärger. Schließlich müssen die Lücken in den Bücherregalen neu gefüllt werden, das nervt.

In der dritten Staffel wird Frans Geschäft von „Goliath Books“ übernommen – ein hochtechnisiertes, zeitgenössisches Geschäft mit automatischem Muffinlaufband – und so das Antibild, als ein Geschäft unserer Postmoderne, entworfen. Goliath Books hat einen ekligen Chef (Simon Pegg), ist völlig in modernrosa gehalten, steril und macht elektronische Geräusche - alles ganz so wie wenn man heutzutage ein Buchgeschäft betritt, möchte man meinen.
Hier ein Buch kaufen? Nein, dann lieber zu Black Books, Bernard mit einer Flache Rotwein bezirzen und schnell mal herumstöbern bevor er wieder ausflippt. Und wenn dann doch kein Buch für einen dabei ist, schaut man eben mal wieder bei Youtube vorbei um zu erfahren, wie die Deutschen durch irische Augen aussehen.



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