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So kreativ! So preisverdächtig! So sehenswert!
29.03.2010 03:29
Die Titanic hatte standesgemäß wenig für ihn übrig, als sie 2007 nominiert war, und nannte ihn nur abfällig einen Preis mit einer „wichtigtuerischen Binnenmajuskel“. Und so ganz falsch liegt sie damit nicht; nicht nur, weil der LeadAward, ein seit 1993 vergebener Zeitschriften- und Werbepreis, vor allem seine eigenen Sponsoren ehrt. Daher verlief die diesjährige Preisverleihung auch wenig überraschend …
… und ehrte unter anderem den SPIEGEL – tatsächlich, ohne Witz – zum besten Magazin des Jahres!Besonders an den LeadAwards 2010 in den Hamburger Deichtorhallen ist jedoch nicht das allseits bekannte Proporzdenken der Jury, sondern die außerordentlich sehenswerte Ausstellung, die seit dem 12. März alle nominierten Beiträge der Öffentlichkeit zeigt. Und so können sich interessierte Besucher in den Deichtorhallen – dem Mekka für (Hamburger) Freunde der Photographie, in dem es immer wieder interessante Werkschauen berühmter und weniger berühmter Fotokünstler gibt, so z. B. im letzten Herbst von Max Scheler, dem langjährigen Fotochef des Stern – ein Bild von der gegenwärtigen Crème de la Crème der deutschen Fotojournalismus- und Mediendesign-Szene machen. Die LeadAwards, unter anderem vom SPIEGEL, der Süddeutschen Zeitung und der ZEIT gesponsert, werden alljährlich in mehr als 20 Kategorien vergeben – der Preisträger sind also viele. Das liegt nicht nur daran, dass mehr oder weniger scharf zwischen Porträt-, Reportage-, Coverfoto und Stillleben (in der LeadAward-Sprache: Still-Life-Fotografien) unterschieden wird, sondern beispielsweise auch zwischen Anzeigekampagnen, Anzeige-Artdirektion und Anzeigenmotiv. Davon abgesehen, dass der überwiegende Teil der Kandidaten aus den Redaktionen der Sponsoren und gleichzeitigen Mitgliedern der Preisjury stammt und somit das mediale Spektrum etwas begrenzt ist, lohnt sich ein Gang in die Deichtorhallen (und das nur noch bis zum 11. April!) allemal. Und das, obwohl etwa in der Kategorie „Porträtfotografie des Jahres“ mit dem Foto Furchtbar komisch / Allemannische Fastnachtsverkleidungen von Axel Hoedt aus dem ZEIT Magazin Nr. 9 keineswegs das eindrucksvollstes Bild gewann. Die Entscheidung der Jury fiel aber wohl schon früher: ziert doch ebenjenes Foto das Ausstellungsplakat, das zurzeit überall in Hamburg für die Schau in den Deichtorhallen wirbt:
Wirklich schade ist nur, dass man eine derartige Dichte an kreativer und ambitionierter Foto- und Designkunst – und man wird auch als zugegeben seltener Vogue-Leser nicht müde, sich eine schier endlose Fotoserie über das doch so hippe Berlin aus der Linse Peter Lindberghs anzuschauen – wohl nur im Rahmen einer gut dotierten und gleichsam überflüssigen Preisverleihung mit Binnenmajuskel versammelt bekommt. Erfüllen doch nahezu alle 200 Kunstwerke bzw. künstlerisch anspruchsvolle Projekte (neben Fotos, Illustrationen und Zeitschriften-Designs auch Webseiten, Weblogs und die Kandidaten für den Preis „WebTV des Jahres“) den öffentlich formulierten Anspruch, Teil des „Besten aus deutschen Zeitschriften“ zu sein, das man im letzten Jahr zu sehen bekam. Seit der Vergabe der LeadAwards 2010 am vergangenen Donnerstag sind nun in den Hamburger Deichtorhallen die prämierten Bilder – es wird im olympischen Geist mit Gold, Silber und Bronze geehrt – mit Medaillenrang kenntlich gemacht. Man sollte sich aber weder von diesem sportlichen Ehrgeiz abschrecken lassen, noch von der offensichtlichen Parteilichkeit der „unabhängigen Jury“ und stattdessen einfach die begeisternde Macht der Bilder auf sich wirken lassen und zur Einsicht gelangen, dass Werbung und PR doch nicht nur nerven und es anscheinend tatsächlich Menschen gibt, die „was mit Medien“ machen und dennoch etwas auf dem Kasten haben. Wer sich dennoch für die Preise interessiert, schaue sich hier die Gewinnerliste an. Auf den Seiten der Hamburger Deichtorhallen erfährt man Näheres über die Ausstellung. Nota bene: die Zeit drängt - Hingehen! Kommentieren |
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